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5 Fragen an die Zukunft nach Corona

By 27. Mai 2020 August 7th, 2020 No Comments
5 Fragen an Corona

5 Fragen an die Zukunft nach Corona

„Obwohl dieser plötzliche Rückzug der Krankheit unerwartet kam, freuten sich unsere Mitbürger nicht vorschnell. Die vergangenen Monate hatten zwar ihre Sehnsucht nach Befreiung verstärkt, sie aber auch Vorsicht gelehrt und daran gewöhnt, immer weniger mit einem baldigen Ende der Epidemie zu rechnen. Trotzdem war dieser neue Sachverhalt in aller Munde, und tief in den Herzen regte sich eine große, uneingestandene Hoffnung. Alles Übrige rückte in den Hintergrund. Die neuen Pestopfer wogen sehr wenig neben dieser überwältigenden Tatsache: die statistischen Zahlen waren zurückgegangen.“

(Quelle: Camus, Albert. Die Pest (German Edition) (S.350). Rowohlt E-Book. Kindle-Version)

Mit diesem Absatz beginnt das letzte Kapitel des Romans „Die Pest“ von Albert Camus.

So wie Camus fragen wir uns, wie die Welt nach der Pandemie aussieht. Und im Speziellen fragen wir uns, wie sieht die Arbeitswelt in der nahen Zukunft aus.

Darum stellen wir 5 Fragen, die nur die Zukunft beantworten kann.

Trotzdem können diese Fragen ein Licht auf das werfen, was vor uns liegt und ein Kompass für unsere Entscheidungen sein.

1. Wird es neue Jobs im regionalen und lokalen Segment geben?

Ja,

denn die Schwächen der Globalisierung offenbaren sich in der Corona-Krise eindeutig. Relevante Produkte, auch wenn sie einfach herzustellen sind, müssen lokal produziert werden, damit eine sichere Versorgung gewährleistet werden kann. Es wird viele Unternehmer geben, die diesen Bedarf an Sicherheit als Gelegenheit wahrnehmen werden und so neue Jobs schaffen.

Nein,

denn nach wie vor hängen Angebot und Nachfrage zusammen. Die Produktion in Fernost ist unschlagbar günstig und wird es auch in Zukunft bleiben. Der Verbraucher wird nicht aus Vernunftgründen mehr ausgeben wollen, besonders wenn der Geldbeutel nach der Krise nicht prall gefüllt ist. Daher sind lokale Hersteller nicht konkurrenzfähig und werden, wenn sie überhaupt auftauchen, ein Nischenphänomen sein, das kaum neue Jobs schafft.

2. Wird sich Home Office weiter etablieren?

Ja,

denn Bedenken von früher: „Man kann Zuhause nicht produktiv sein.“ oder „Die Arbeitssicherheit kann nicht gewährleistet werden,“ spielen in der Pandemie keine Rolle mehr. Die Arbeitswelt wurde vor vollendete Tatsachen gestellt, das Home Office wurde von der Ausnahme zur Regel. Das lässt sich nicht einfach so umkehren, besonders weil sehr vielen Menschen die ökologischen und ökonomischen Vorteile des Home Office, wie z. B. die Ersparnis des Arbeitswegs, bewusst geworden sind.

Nein,

denn die meisten Menschen können es nicht erwarten, das Haus zu verlassen. Sie wünschen sich eine klare Trennung von Arbeit und Privatem, etwas Ruhe von den Kindern, soziales Miteinander mit den Kollegen und das Gefühl, alles wieder unter Kontrolle zu haben. Daher wird dem Home Office in  Zukunft der Makel einer Krisenmaßnahme anhaften, sodass es in Zukunft ein Schattendasein fristen wird.

3. Werden mehr Menschen nach sinnstiftenden Jobs suchen?

Ja,

denn die Berufe, ohne die unsere Gesellschaft nicht funktionieren kann, sind durch die   Krise viel sichtbarer und anerkannter geworden. Das Image der Pflegekräfte hat sich stark verbessert. Millionen von Menschen hängen an den Lippen von Wissenschaftlern, die zuvor während der Klimawandel-Debatte kein Gehör finden konnten. Daraus lässt sich ableiten, dass soziale- oder wissenschaftliche Berufe – sinnstiftende Berufe – viel stärker nachgefragt werden als früher.

Nein,

der Hunger nach Selbstverwirklichung wird immer größer, sodass der Dienst an der   Gesellschaft stetig unattraktiver wird. Es zeichnet sich ab, dass viele Menschen sich durch die neuen Regeln stark eingeschränkt fühlen. Viele fliehen in die virtuelle Realität, um wenigstens dort sozialen Kontakt zu haben. Das führt zu einer starken Nachfrage nach interaktiven Unterhaltungsmedien, wodurch viele neue Stellen in der Videospiel-Branche entstehen werden und bereits entstanden sind – Stellen, die im klassischen Sinne nicht als „sinnstiftend“ gelten , sondern eher der Unterhaltung und Selbstverwirklichung dienen. Ein Teil fühlt sich durch die neuen Regeln sogar soweit eingeschränkt, dass die Krise an sich geleugnet oder für absolut übertrieben gehalten wird. Von diesem Teil werden gerade die Vertreter der sinnstiftenden Berufe an den Pranger gestellt. Wie beispielsweise der Virologe Prof. Christian Drosten von der Berliner Charité, der sich, als Witzfigur auf Bannern der 6000 „Corona-Regel-Gegner“ in Cannstatt, wiederfinden musste.

4.Wird man sich bei Bewerbungsgesprächen wie üblich die Hand geben?

Ja,

denn Viele werden nach der Krise den direkten Kontakt mit Menschen suchen und schnell zur Normalität zurückkehren wollen. Ferner ist die Geste in Europa schon seit dem Römischen Reich üblich und stark in unserer Kultur verwurzelt. Sie wird nicht einfach verschwinden.

Nein,

auch in Zukunft werden wir einige Vorsichtsmaßnahmen beibehalten, um eine neue Pandemie zu vermeiden. Das Händeschütteln wird als unhygienisch und anachronistisch aus der Mode kommen und durch eine andere hippere Form der Begrüßung abgelöst werden. Zum Beispiel durch eine Verbeugung nach japanischem Vorbild.

Hier kurz die Grundregeln:

  • Jüngere vor Älteren
  • Schüler vor Lehrern
  • Gastgeber vor Gästen
  • Verkäufer vor Käufern (Käufer verbeugen sich gar nicht, bestenfalls nicken sie)
  • Schuldner vor Gläubigern

Eine 5°-Verbeugung ist für neutrale Handlungen; eine 15°-Verbeugung ist für die höflichere Handlung; eine 30°-Verbeugung ist für eine Bitte oder tiefste Entschuldigung.

5.Werden Jobs in der Industrie wieder mehr werden?

Ja,

denn sobald die Krise überstanden ist, werden die Menschen auch wieder mehr konsumieren. Zwar musste die Automobilindustrie drastische Produktionskürzungen hinnehmen, doch mit der geforderten Abwrackprämie auf den Kauf von Neuwagen wird die Nachfrage wieder anziehen und es wird wieder mehr Jobs geben.

Nein,

denn es stimmt zwar, dass der Bedarf wieder steigen wird, aber die Produktion von     vielen Gütern muss nicht zwangsläufig von Menschen durchgeführt werden. Für viele Firmen ist gerade das die Gelegenheit vermehrt auf die automatisierte Produktion zu setzen. Im Augenblick müsste die Industrie bei diesem Schritt nicht mit einem großen Imageverlust rechnen.

Egal, ob Du Dich nun als notorischer Nein-Sager oder als Yes-Man erkannt hast, eins ist sicher: Die Coronakrise birgt auch Chancen für Wirtschaft und Arbeitswelt. Welche Antworten nun zutreffen, das können uns vielleicht irgendwann die Geschichtsbücher verraten. Doch wir können mit unserem Handeln ein ganzes Stückweit Einfluss darauf nehmen, wie die Antworten auf diese Fragen aussehen werden.

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